Zeitreise
Das Städel Museum im 19. Jahrhundert


Die historischen Räume
Interaktiv erfahren

Reisen Sie ins 19. Jahrhundert! Dank 3D-Technik konnte ein Forscherteam des Städel Museums in langjähriger Arbeit detailgenaue Rekonstruktionen der historischen Sammlungspräsentationen anfertigen.

Besuchen Sie das Städel Museum an seinen drei historischen Standorten:
Das Haus von Museumsstifter Johann Friedrich Städel am Rossmarkt im Jahr 1816,
das nach umfassendem Um- und Ausbau 1833 bezogene Palais in der Neuen Mainzer Straße,
den 1878 eröffneten Neubau am Schaumainkai, der auch heute noch Standort des Städel Museums in Frankfurt ist.

Weiterlesen

Auf der Grundlage langjähriger Recherchen können wir heute die Präsentation der Städelschen Sammlung im 19. Jahrhundert im Detail rekonstruieren und virtuell wiederauferstehen lassen. Das Projekt hat seine Wurzeln in den 1990er-Jahren, als für die Bestandsforschung der Abteilung Alte Meister historische Inventarbücher transkribiert und Gemälde-Provenienzen ausgewertet wurden. In der Zwischenzeit ist das Interesse der Kunstgeschichte an historischen Sammlungszusammenhängen gewachsen. So wurden die historischen Präsentationen der Gemäldegalerien in Dresden, Wien, Paris und Düsseldorf analysiert – allesamt fürstliche Sammlungen des 18. Jahrhunderts. Mit der Rekonstruktion der Räume des Städel Museums im 19. Jahrhundert können wir nun ein wichtiges Beispiel ergänzen: Das Städel ist die älteste deutsche Museumsstiftung bürgerlichen Ursprungs, in der sich – insbesondere 1833 – die künstlerische Avantgarde traf.

Virtuell das Museum von 1878 entdecken: Mit der kostenlosen App für Gear VR durch die historischen Sammlungsräume schlendern.

Virtuell
durchs alte Städel

Wie wäre es, wenn Sie Ihr Lieblingsbild der Sammlung wie vor 200 Jahren betrachten könnten? Reisen Sie mit den Gemälden durch die Zeit! Sehen Sie die Werke in ihrem historischen Präsentationszusammenhang und informieren Sie sich, wie man sie damals betrachtet hat und wie sie heute eingeschätzt werden. Von jedem Gemälde lassen sich interaktiv per Klick weiterführende Informationen aufrufen und Inhalte vertiefen: von der Provenienzgeschichte bis hin zu Auszügen aus aktuellen wissenschaftlichen Katalogen.

Außerdem können Sie mit dem kostenlosen Computerprogramm für PCs oder für die Virtual-Reality-Brille Gear VR die historischen Räume von 1878 am Schaumainkai aus der Innenperspektive virtuell begehen – näher dran geht es nicht!

Weiterlesen

Warum haben wir uns für eine digitale Darstellung entschieden? Bisher wurden historische Hängezusammenhänge oft nur anhand einzelner Wandabschnitte rekonstruiert. Mit den 3D-Modellen sind die räumlichen Zusammenhänge jedoch besser zu verstehen. Auch kann auf diese Weise erstmals die Inszenierung der gesamten Museumsbestände im Kontext nachvollzogen werden.

Die Realisierung fügt sich als weiterer Baustein von vielen weiteren digitalen Angeboten des Städel Museums ein: Das 200-jährige Bestehen der Institution 2015 war für uns Anlass, Kernaufgaben des Museums wie Vermittlung und Forschung mit digitalen Möglichkeiten neu zu denken. Mit innovativen Technologien und Erzählformen stellen wir parallel zum realen Museumsbesuch ein frei zugängliches und alternatives Angebot bereit, das den Wirkungskreis der Institution unabhängig vom Ort beträchtlich vergrößert.


Altdeutscher Saal im Städel Museum 1833, Blick nach Südosten. Rekonstruktion

200 Jahre Städel
Präsentationsformen im Wandel

Heute erscheint es uns selbstverständlich, dass Gemälde zumeist mit ausreichend Abstand zueinander präsentiert werden. Damit sollen die künstlerischen und ästhetischen Besonderheiten eines jeden Werkes bestmöglich zum Ausdruck kommen können. Das war jedoch nicht immer so. Die Vorstellungen, wie in einem Museum Kunst am besten zu präsentieren ist, haben sich oft gewandelt. Sie sind abhängig vom Zeitgeschmack und von kunsttheoretischen Vorstellungen: Was ist gute Kunst? Wie erkenne ich sie? Und wie muss sie ausgestellt werden, damit die Besucher zu einer eigenständigen Beurteilung kommen können?

Weiterlesen

Das Städel Museum ist eine der ältesten Museumsstiftungen in Deutschland: Am 15. März 1815 unterzeichnete der Frankfurter Bankier und Kaufmann Johann Friedrich Städel die letzte Version seines Testaments, in dem er sein Vermögen und seine Kunstsammlung der nach ihm zu benennenden Stiftung vermachte. Deren Auftrag war zum einen der Unterhalt einer öffentlichen Sammlung, zum anderen die Ausbildung von Künstlern. Städel starb 1816, ein Jahr später wurde aus einer Privatsammlung, die nur seinen Kunstfreunden zugänglich war, ein öffentliches Museum.

Als das Städel Museum 1833 sein erstes Museumsgebäude an der Neuen Mainzer Straße eröffnete, hatte sich das Profil der Sammlung wesentlich geändert: An die Stelle einer privaten Kunstsammlung war eine Museumskollektion getreten, die exemplarisch die Entwicklung der Kunst in ihren wichtigsten Schulen und Gattungen widerspiegeln sollte. Die hohe Wertschätzung der Renaissancekunst (und der zumindest in Gipsabgüssen präsenten Antike) entsprach den Vorstellungen der deutschen Künstlergruppe der Nazarener, denen sich die Leitung und Direktion des Städel seit den 1820er-Jahren verpflichtet gesehen hatte. Die enge Verflechtung der Museumssammlung mit der Kunstakademie der Städelschule war Programm: Das Kunstinstitut setzte damit Maßstäbe. Die heutige Städelschule wurde später von der Stadt Frankfurt übernommen.

Der Niederländersaal im Städel Museum 1915

Galeriehängung
Betrachten bedeutet vergleichen

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Wände im Städel Museum wie in allen anderen Kunstsammlungen auch dicht an dicht mit Gemälden „tapeziert“, wie die Zeitreise ins historische Städel verdeutlicht. Lange wurde vermutet, dass diese Art der Hängung rein dekorativ sein sollte. Sie hatte jedoch einen tieferen Sinn: Sie ermöglichte direktes und aktives Vergleichen.

Die Wand als Kunstwerk

Durch die Galeriehängung wurden die Wände selbst zum Kunstwerk. Entscheidend war die Symmetrie. Die Bilder wurden an einer gedachten mittleren Raumachse in vertikalen Bahnen und horizontalen Registern angeordnet. Spiegelbildlich konnten so Gegenstücke aufeinander bezogen werden. Diese ebenmäßige, als harmonisch geltende Gemäldepräsentation wurde spätestens seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts praktiziert.

Das „Zimmer zur Linken“ in Städels Haus am Rossmarkt 1816. Rekonstruktion

Barocke Bilderwand

Im 18. Jahrhundert sollte nicht nur ein einzelnes Gemälde, sondern auch die Bilderwand als Ganzes Schönheit und Vollkommenheit darstellen. Sie reichte von der Vertäfelung, dem sogenannten Lambris, bis zum Fries unter der Decke. Uns erscheinen derart „volle“ Wände auf den ersten Blick wie ein nicht verständliches Aneinander von verschiedensten Malerschulen, Gattungen und Sujets. Inzwischen wissen wir aber, dass dahinter ein Prinzip lag: das vergleichende Sehen. Sammler des 18. Jahrhunderts wie Johann Friedrich Städel ließen durch die gemeinsame Präsentation explizit Gemälde miteinander korrespondieren, um durch Ähnlichkeiten und Gegensätze Vielfalt zu erzeugen. Die Aufgabe des Besuchers war es dann, das individuelle Präsentationsprinzip des Sammlers herauszufinden.

Weiterlesen

Gleiches gilt für das Museum des 19. Jahrhunderts. Der Bestand wurde nun nach Schulen, also nach nationaler oder regionaler Herkunft, sortiert. In der räumlichen Abfolge war damit zwar die Wertung und Deutung der Kunstgeschichte bereits vorgegeben, doch wurden die Gattungen auf den Wänden nach wie vor abgewechselt. Da Beschriftungen weitestgehend fehlten und die Besucher höchstens einen kurzen, nicht illustrierten Katalog konsultieren konnten, war es ihre Aufgabe, die Kunstwerke richtig zuzuordnen. Es gehörte zum Vergnügen eines Museumsbesuchs, sich mögliche Zusammenhänge schauend zu erschließen.